Das Streben nach Harmonie fordert von uns früher oder später unseren Schatten zu integrieren. In Konfliktsituationen neigt man allzu oft dazu das Problem ausschließlich auf sein Gegenüber zu projizieren. Man reibt sich unnötig auf und fragt sich: „Wie kann mein Gegenüber nur…?“ Ist man jedoch reflektiert und mutig genug über den Tellerrand zu schauen, dann stellt man sich folgende Fragen:
Kenne ich das Verhalten meines Gegenübers aus meiner eigenen Biografie?
Möchte ich insgeheim auch dieses Verhalten an den Tag legen und traue mich wegen etwaiger Konditionierung dies nicht zuzulassen?
Lehrt mich das Verhalten meines Gegenübers auf meine Grenzen zu achten? … und in weiterer Folge:
„Wie schaut das Achten meiner und/oder deiner Grenzen im Laufe meines Lebens aus?
Man könnte sicher noch ein paar weitere Fragen dazu stellen. Ziel ist aber, den eigenen Anteil zu erkennen und diesen in sich zu akzeptieren und anzunehmen. Anderenfalls kämpfen wir im Außen gegen die von uns aufgebauten Windmühlen. Gerade in Phasen, in welchen emotional (aus der Tiefe des Menschseins heraus/“Trigger“) gestritten wird oder man nicht aus seiner Mitte agiert, scheinen wir ausschließlich das Problem beim Anderen festzustellen. Letztendlich zeigt sich dies als Teufelskreis, denn ohne den eigenen Anteil zu erkennen und anzunehmen, gilt das geistige Gesetz der „Rückkehr des Verdrängten“. Unweigerlich werden wir dann immer wieder solchen oder ähnlichen Situationen ausgesetzt. Das Schicksal will doch nur, dass wir uns selbst erkennen! Dabei heißt es nicht sich zu (er)schrecken, sondern nur liebevoll unsere eigenen ungewollten Anteile zurückzunehmen. Erst in der Annahme kann dieser Anteil sich künftig auch als Stärke entfalten. Dieses Annehmen des Eigenen gilt nicht nur auf der persönlichen Ebene. Meines Erachtens gilt dies für jeden lebendigen Organismus und dann reden wir auch von Gruppen, Organisationen, Nationen usw. Dies bedeutet, z.B. bei Konflikten innerhalb von Nationen, dass eine wahrhaftige Lösung nur bei „Eingestehen und Annahme“ der gemachten Fehlbarkeiten (beider Nationen!) dauerhaft möglich ist. Solange wir also unsere Feinde im Außen bekämpfen, wird es schwierig, in den Frieden zu kommen. Deshalb lohnt sich Schattenarbeit, diese setzt voraus, zuerst das Eigene („Verdrängte“) zu erkennen und folgend Wandlung zu ermöglichen. Leugnen wir unsere Schatten, verfolgen uns diese, Tag für Tag, bis wir soweit sind diese anzunehmen.
Helmut Wurdinger zum Oktoberneumond 2025

Lieber Helmut!
Ganz vielen lieben Dank für deine Ausführungen.
Als hättest du es für mich geschrieben.
Deine Beiträge empfinde ich als sehr bereichernd und perspektivenerweiternd.
Danke dafür
Danke Susi für deine Rückmeldung🌻.
LG Helmut ☀️