Wahrheit kann manchmal weh tun und so stellt sich die Frage, wie kommuniziert man Wahrheit? Oder schweigt man besser, um keinen zu verletzen? Schweigen ist eine gängige Praxis, vor allem wenn man nicht gefragt wird. Im Zuge einer Unterrichtseinheit wurde darüber diskutiert, ob man beispielsweise einer Freundin mitteilt, dass diese von ihrem Freund betrogen wird. Gleich erhoben sich viele Stimmen, dass man ihr das natürlich sagen sollte. Dann folgten jedoch Äußerungen, sie könnte sehr sensibel sein und als Reaktion mit der Freundschaft brechen. Eine Teilnehmerin meinte es „irgendwie“ durch die Blume vermitteln zu können. Eine andere wiederum erzählte, solchen Betrug selbst im familiären Kreis nicht ansprechen zu können. Man merkt sofort anhand dieses Beispiels, wie schwierig es ist, jemanden die Wahrheit zu sagen, ohne dabei zu verletzen. Ein Herzensbruch schmerzt und sensible Menschen brauchen lange Zeit, um sich davon wieder zu erholen. Es gibt Frauen und Männer im fortschreitenden Alter, die sich von solch Herzensbrüchen aus der Jugend bis heute nicht wirklich erholt haben und deshalb nicht bereit für eine neue Partnerschaft sind. Das Beispiel verdeutlicht, dass es gar nicht so einfach ist eine richtige Lösung zu finden. Schwierig ist es auch mit Ideologien. Wenn man jahrelang eine gewisse Ideologie verfolgt und dann an einem gewissen Punkt darauf kommt, dass man sich geirrt hat. Wie kommuniziert man das seinem Umfeld, welchem man euphorisch so Manches (dieser Ideologie) übermittelt und dadurch zur Irrtumsverbreitung beigetragen hat. Hier wird der Grad der Konsequenzen, die eine Täuschung mit sich brachte, eine große Rolle spielen. Bei Kleinigkeiten rückt man relativ schnell mit der Wahrheit raus. Hat es für das Gegenüber aber einschneidende Konsequenzen, so scheut man sich gerne davor die Wahrheit kundzutun. Oftmals versucht man die Wahrheit diplomatisch zu vermitteln (manche neigen leider auch zur Lüge). Die Geschichte lehrt uns, dass sich die Wahrheit früher oder später doch offenbart (auch wenn es Generationen dafür dauern mag!). Viele verfügen über eine gute Resilienz, sodass ihnen die Wahrheit auch direkt (geradeheraus) vermittelt werden kann. Resilienz dürfte auch ein Schlüssel sein, auf welche Art die Wahrheit zu vermitteln ist. Welche (Sicherheits-)Anker hat die Person, welcher man die „schmerzhafte“ Wahrheit übermitteln möchte? Letztendlich gilt es, die vorhandenen Anker abzuwägen und folglich die Art und Weise der Wahrheitsübermittlung auszurichten. Und ja, es gibt Fälle (z.B. Belangloses und ohne gefragt zu werden) bei welchen man besser gar nichts sagt.
Helmut Wurdinger
zum Dezembervollmond 2025
