„Abschiedlich leben“

„Abschiedlich leben“

… ist ein Begriff, den Verena Kast vom Philosophen Wilhelm Weischedel übernommen hat.
Verena Kast schreibt in ihrem Buch „Abschied als Anfang (Leben ist Wandlung)“: „Weil wir Menschen sterblich sind, müssen wir auch schon im Leben immer wieder von vielem, in dem wir uns aufhalten, Abschied nehmen. Es ist ein Abschied in zwei Richtungen: Abschied in Bezug auf uns selbst, indem wir von Selbstbildern immer wieder Abschied nehmen müssen, denn auch wir verändern uns ständig, aber auch Abschied in Bezug auf die Welt, in der wir heimisch sind, die sich aber ständig verändert, so dass wir uns nicht mehr heimisch fühlen.“
Die Autorin verdeutlicht, dass Veränderung ein fortlaufender Prozess ist, alles ist stets im Wandel – nichts bleibt wie es war. Dennoch wirkt das Vergangene in die Zukunft hinein. Es liegt an uns, das Vergangene zu erlösen. Einerseits ist das Vergangene fixer Bestandteil unserer Biografie, andererseits müssen wir sie loslassen, um lebendig zu bleiben! → Im Loslassen wird die Vergangenheit zum Humus für eine lebensbejahende Zukunft. Loslassen ist ein bewusster Akt, welcher von uns abverlangt, zu erkennen, was nicht mehr zu uns passt, uns nicht mehr dienlich ist und deshalb von uns dankbar zurückgelassen werden darf. Dies mag manchmal schmerzhaft sein! Aber nur im bewussten Abschiednehmen sind wir frei für unsere weitere Entwicklung. Diese Freiheit ist unverzichtbar in einer Welt des Wandels. Ein offenes Herz und ein freier Geist können den Wandel in der Welt erkennen – ein stetiger Zyklus von Kommen und Gehen! Das Geschenk neuer Erfahrungen und Erkenntnisse liegt nur bereit, wenn Altes losgelassen wurde – ansonsten bindet uns dieses und kostet uns einen Teil unserer Lebensenergie. Es bedarf an Mut und Wachsamkeit Dinge loszulassen. Uns allen fällt das Loslassen von Dingen oftmals schwer – könnte man doch so manches eventuell künftig doch noch gebrauchen…
Folgende Fragen könnten hilfreich sein:
Macht mir dieses oder jenes noch Freude?
Wirkt es belastend für mein persönliches Umfeld?
Was hindert mich daran, es loszulassen?
Abschiedlich leben heißt aber auch, die Realität des Sterbens und die damit verbundene Endlichkeit anzunehmen und bewusst möglichst wenige Baustellen im persönlichen Umfeld zu hinterlassen. Das bedeutet, nichts zu verschieben, sondern Unerledigtes ehestmöglich zu bereinigen. Denn auch Unerledigtes (z.B. noch nicht Ausgesprochenes, Ausgesöhntes, usw.) wirkt wie eine Last, die uns Lebenskraft kostet. Ebenso sollte einem bewusst sein, welche Beziehungen und Bindungen tragfähig sind. Denn nur dann lohnt es sich, in diese Beziehungen zu investieren. Auch Manipulation, Täuschungen und Illusionen kosten uns Lebensenergie. Bewusstes abschiedliches Leben erkennt diese Energieräuber und macht uns frei für das Wesentliche!

Helmut Wurdinger
zum Oktobervollmond 2025

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