Unsere Verhaltensweisen sind teils angeboren, teils antrainiert und zum Teil auch fremdbestimmt, und zwar dann, wenn wir im sozialen Umfeld „funktionieren“ sollen. Selten agieren wir ausschließlich logisch-rationell, meist sind unsere Verhaltensweisen an gewisse Muster gekoppelt. Diese Muster sind uns eigen, überwiegend durch unsere persönliche Geschichte geprägt und oftmals nicht hinterfragt. Viele kennen die Erfahrung, dass bestimmte Personen so mit uns kommunizieren, dass ein Knopf in uns aktiviert wird und emotionale Reaktionen die Folge sind („das Häferl geht über und man zuckt aus 😉). Das bedeutet aber nicht, dass man ewig an diese Verhaltensweisen (Muster) gebunden ist. Bei selbstkritischer Betrachtung bzw. Reflexion können wir unsere eigenen Anteile erkennen und uns mit einer neuen Haltung befähigen, künftig anders (z.B. bei Grenzverletzungen aggressiver/noch schärfer) oder gelassener zu agieren. Das gehört zur persönlichen Entwicklung dazu. Egal wie wir agieren, unser Verhalten ist nicht eingemeißelt. Es benötigt nur den Moment Aufmerksamkeit und innere Ruhe, diese Knöpfe (Trigger) zu erkennen, sodass wir bewusst andere Wege der Kommunikation einschlagen. Heißen wir die Trigger willkommen, lernen wir uns doch über diese noch besser kennen. Manche sind schon so gelassen, dass sie scheinbar nichts aus der Ruhe bringen lässt. Diese Gelassenheit birgt eventuell die Gefahr, sich so angepasst zu verhalten, dass man sich selbst verleugnet. Wie auch immer, wir begegnen uns täglich neu und haben jederzeit die Wahl anders miteinander zu kommunizieren bzw. umzugehen. Harmonisch ist es, in einem gemeinsamen Konsens zu interagieren. Wird dabei aber vergessen, dass sich jeder Mensch weiterentwickelt, verkommt dieser Konsens zu einem unverrückbaren Dogma, welches unseren Beziehungen schadet. Deshalb ist der Konsens von gestern der Nonsens von heute! Das bedeutet für uns, dass nichts selbstverständlich ist. Filmische Abhandlungen wie „täglich grüßt das Murmeltier“ überzeichnen nur die eingefahrenen Verhaltensmustern und sind schlichtweg Fiktion. Wir sind keine Maschinen, die immer gleiche Abhandlungen vornehmen. Wahrscheinlich wäre es der KI (oder dem Super-Computer) recht, genaue Rückschlüsse auf die Reaktionen der Menschen ziehen zu können, indem diese immer den gleichen Mustern folgen. Gott sei Dank ist der Mensch – solange er Mensch bleibt – nicht berechenbar und kann immer neue Wege einschlagen. Dies bedeutet aber, dass der Konsens von gestern verlassen wird und Gemeinwohl ein ständiger Prozess ist, welcher die Aufmerksamkeit von uns allen abverlangt. Hierin liegt ein großes Geschenk – HIER UND JETZT ist immer neu und einzigartig.
Helmut Wurdinger
zum Vollmond Anfang Mai 2026
