Durch Aggression weiten wir unseren Horizont

Durch Aggression weiten wir unseren Horizont

Wenn wir Aggression wie üblich bewerten, klingt dies vorerst nicht friedvoll (z.B. „böser“ Aggressor). Neutral betrachtet ist Aggression eine natürliche Antriebskraft, die zur Erreichung persönlicher Ziele benötigt wird. Mir ist bewusst, dass in unserem Sprachgebrauch aggressives Verhalten als „übergriffig“ empfunden wird. Gehen wir einmal davon aus, dass es sich bei Aggression um einen intrinsischen Impuls handelt, welcher als Emotion seinen Weg nach Außen findet. Unweigerlich werden dabei Grenzen verschoben. Der Impulsgeber weitet seine Grenzen, der Empfänger wird damit konfrontiert und scheinbar in seinen Grenzen „verletzt“. Wenn dies unter Menschen passiert (und das erfolgt im Regelfall – unauffällig – alltäglich), wird das Erlebte oft mit Gewinn oder Verlust eingeordnet. Dass dies so nicht sein muss, vor allem wenn wir in Beziehung bleiben, habe ich bereits in meinem Blogbeitrag „Ja zu Emotionen“ erörtert. Im aktuellen Blogbeitrag möchte ich jedoch näher auf diesen intrinsischen Impuls eingehen. Er verlangt nach Ausdruck – ohne ihn erfolgt keine Bewegung und im weiteren Sinne kein Leben. Konstruktiv eingesetzt verhilft uns die Umsetzung des Impulses zu einer Horizonterweiterung. Wir lernen was machbar ist und wenn etwas schiefläuft, lernen wir auch aus den gewonnenen Erfahrungen. Diese Erkenntnisse bringen uns normalerweise im Leben weiter. Nur durch die Umsetzung dieser intrinsischen Impulse nach Außen gestalten wir unser Leben selbst. Ich möchte hier explizit „intrinsisch“ als das für uns vom Herzen kommende übersetzen. Andererseits gibt es auch Gedankenimpulse, bei jenen besser vorher geprüft wird, woher diese kommen könnten. Wir tragen diesbezüglich auch die Verantwortung unserer Gedankenhygiene!
Wir benötigen jedenfalls unsere Aufmerksamkeit auch uns selbst gegenüber. Überhören oder negieren wir unsere intrinsischen Impulse, welche häufig auch zum Schutz unserer Grenzen wahrnehmbar sind, so fordern diese dennoch Ausdruck und dieser wendet sich dann gegebenenfalls gegen uns selbst. Dies erfolgt häufig über unseren Körper. Der Großteil der Allergien (manchmal auch Krebs oder diverse Autoimmunerkrankungen) sind Indikator für solche Ausdrucksformen. Natürlich ist es ein Leichtes, der Katze, der Hausstaubmilbe, den Blüten oder diversen Nahrungsmitteln die Schuld für die körpereigenen Reaktionen zuzuweisen. Da der Mensch ein soziales Wesen ist und mit seiner Umwelt interagiert, ist dies von der rationellen Seite auch nicht von der Hand zu weisen. Andererseits können wir hinterfragen, ob unsere Verhaltensweisen an den gesellschaftlichen oder sozialen Normen zu viel angepasst sind (Anmerkung: an dieser Stelle darf ich sehr wohl auch selbstkritisch sein, begleiten auch mich phasenweise Allergien). So konnte ich bei mir selbst reflektieren, dass mein Körper gegen mich reagiert, wenn ich störende Einflüsse des lieben Friedens wegen „runterschlucke“. Die gängige Hierarchie „Geist über Seele – Seele über Körper“ wird dabei ad absurdum geführt: Wenn der Körper sich meldet, dann hat er auch Vorrang. Wer kennt das nicht? Körpersignale zu negieren bedeutet häufig nachfolgend stärkere Körperrückmeldungen einzurechnen. Besser ist es, „Geist-Seele-Körper“ als Einheit wahr- und anzunehmen. Dies führt uns wieder zur Selbstachtsamkeit. Fällt dies vielen Menschen bereits beim eigenen Körper schwer, so ist es bei seelischen (intrinsischen) Bedürfnissen ungleich schwieriger. Bei intrinsischen Anliegen benötigt der Mensch nicht nur Achtsamkeit, sondern auch Sensitivität und Sensibilität. Gewöhnlich ist es doch viel bequemer, sich von außen ablenken zu lassen und im Gemeinschaftssinne zu funktionieren! Wenn jedoch das Außen keine Ordnung mehr bildet, drängt das Seelisch-Körperliche in uns nach neuen Wegen. Neue Wege zu betreten, heißt auch dem Leben folgen. Hierfür benötigt es unseren Antrieb (unserer Aggression) und wir ernten jedenfalls eine Erweiterung unseres geistigen Horizontes.

 

Helmut Wurdinger
zum Aprilneumond 2026

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