Reden ist Silber, Zuhören ist Gold!

Reden ist Silber, Zuhören ist Gold!

Für eine gelingende Kommunikation ist beides notwendig, einerseits Bedürfnisse in angemessener Art und Weise auszudrücken, andererseits wirklich ein offenes Ohr für die Mitteilungen des Gesprächspartners bereit zu halten. In Fort- oder Weiterbildung wird in Sachen Kommunikation viel Wissen vermittelt. Entscheidend für einen sinnvollen Austausch miteinander ist aber, dass man authentisch und stimmig agiert. Damit meine ich, wenn man theoretisches Wissen der Kommunikation bewusst anwendet, dabei das eigene Wesen jedoch vergessen bzw. hintangestellt wird, eine Kommunikation oberflächlich wirkt. Der Intellekt hat in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert, dass viele Gespräche auf dessen Basis geführt werden. Wahrer Austausch folgt jedoch dem Herzen, da ist es nebensächlich, ob man „ICH-Botschaften“ pflegt oder auch nicht. Es ist eine Kunst Herzensangelegenheiten mitzuteilen – hierfür braucht es den geeigneten Raum und Zeitpunkt. Noch mehr verlangt es von uns ab, den anderen volle Aufmerksamkeit zu schenken und dessen Anliegen zu verstehen. Was aufs erste einfach klingt, kann erst dann richtig eingeordnet werden, wenn ein Gespräch in der Tiefe verstanden wurde. Jegliches Gespräch, indem wir involviert sind, hat zumindest ein Stück weit mit uns zu tun, auch dann, wenn vermeintlich über Dritte gesprochen wird. Gespräche erfordern immer eine gewisse Innenschau, da über deren Inhalte Anteile von uns angesprochen werden wollen. Deshalb bin ich ein Befürworter der These, dass ein äußerer Dialog unsere inneren Anteile weckt und diese bei Bedarf ins Leben gerufen werden können. Das gelingt nur, wenn wir uns innerlich berühren lassen! Abgesehen davon, dass es natürlich auch „Energievampire“ gibt und in diesen Fällen eine gesunde Abgrenzung vonnöten ist (betrifft im Prinzip aber auch einen inneren Anteil von uns!), regt ein Dialog somit an, sich und den anderen besser kennenzulernen. Über den anderen habe ich dabei die Chance, eigener Anteile bewusst zu werden und neue Blickwinkel zu entwickeln. Deswegen ist Zuhören Gold, kann es schließlich unser Bewusstsein weiten und weitere Schritte ermöglichen. Dies wäre grundsätzlich auch mit einem inneren Dialog möglich, welcher jedoch ungleich schwerer ist. Häufig sind nämlich die Rollen der inneren Anteile von uns selbst strikt vergeben und somit auch deren Machtverhältnisse. Deshalb sind die leisen Stimmen leicht zu überhören. Oftmals bieten aber gerade diese Stimmen das Potential positiver Veränderungen.
Mögen wir in unserem Mitteilungsbedürfnis die Gabe des Zuhörens wahren, nur so können wir einander erkennen.

Helmut Wurdinger
zum Junineumond 2026

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