Alles kann neu betrachtet werden!

Alles kann neu betrachtet werden!

Dem einen fällt es leichter sich Neuem zu öffnen, dem anderen wiederum schwerer, weil er noch am Vergangenen hängt. Es dürfte ein Stück weit mit der Grundveranlagung des Menschen zusammenhängen, in welchem Ausmaß die Vergangenheit noch bindet. Besonders sensiblen Menschen sagt man nach, länger für die Verarbeitung von etwaigen Geschehnissen zu brauchen. Entscheidend ist jedoch, wie konstruktiv man mit der eigenen Vergangenheit und den damit verbundenen persönlichen Erinnerungen umgeht. Das Festhalten an erlittenen Verletzungen bringt einen jedenfalls keinen Schritt weiter, zudem sollten einem auch angenehme Erinnerungen zugänglich sein, im Wissen dessen, dass auch diese ihrer eigenen Zeit zugehören. Das Leben verläuft nicht auf einer geraden Bahn, zu unserer Entwicklung dürfen wir das „Auf und Ab“ (analog zu den Sonnenständen/ Jahreszeiten) annehmen. Der Philosoph Seneca sagte über den Umgang mit der Vergangenheit folgendes aus: „Es ist unser Irrtum, dass wir den Tod in der Zukunft erwarten. Er ist zum großen Teil schon vorüber. Was von unserem Leben hinter uns liegt, hat der Tod.“ Dieses Zitat verdeutlicht: Was geschehen ist, ist geschehen. Nur wenn wir diese Tatsache akzeptieren, sind wir bereit, uns von ganzem Herzen dem Hier und Jetzt und somit Neuem zu öffnen. Je offener wir sind, desto eher erkennen wir auch das Neue. Menschen, die stark an ihrer Vergangenheit festhalten, erkennen schwer das Neue, weil ihre Antennen eben auf Vergangenes ausgerichtet sind.
Selbst wenn man keine Veränderung wahrnehmen kann, so ist jede Situation dennoch neu und einzigartig, auch dann, wenn es sich vermeintlich um Wiederholungen handelt. Wiederholungen dienen nur dazu, den eigenen Bewusstseinsprozess auf einer Stufe abschließen und folglich auf die nächste wechseln zu können. Anders formuliert: Was wird mir wiederholt neu offenbart, um in meinem Werdeprozess weiterzukommen?
Auch der „vermeintliche“ Alltag dient dazu, jener Mensch zu werden, welcher mit seinen alltäglichen Handlungen und Haltungen sein Werden gestaltet. Ich bin überzeugt, dass das Neue nur mit Offenheit und Hingabe erfasst werden kann und dieses auf einer tiefen Ebene. Es geht hier um ein innerliches Verstehen und nicht um jenes des Verstandes. Erst wenn wir unsere Lektionen gelernt haben, stehen weitere für uns bereit. Eine der Lektionen heißt Geduld, welche nichts anderes bedeutet, als Nachsicht mit dem eigenen Verstand zu haben, welcher die Notwendigkeit von Gegebenheiten (noch) nicht erkennen kann.

Helmut Wurdinger

Septembervollmond 2025

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