Entwicklung der Toleranz

Entwicklung der Toleranz

Wer glaubt, Beziehungsarbeit sei einfach, wird häufig betreffend der eigenen Toleranz geprüft. Zu Beginn einer Beziehung sieht man meist nur die schönen Seiten der Beziehung. Nach einer gewissen Zeit offenbaren sich jedoch störende Faktoren, welche nicht selten zum Streit führen. Uns sollte jedoch bewusst sein, dass wir nicht erwarten können, dass sich der Beziehungspartner (kann auch im beruflichen Kontext stehen!) wegen uns ändert. Wie geht man persönlich aber mit den Störfaktoren um? Natürlich steht es einem frei, diese Störfaktoren offen zu kommunizieren. Nur, jene Faktoren, die mich stören oder ärgern, können anderen wiederum vollkommen egal sein, weil sie keinen Wert darauflegen. Nun gilt es abzuwägen, ob es wirklich wert ist, darüber zu streiten oder einen Konflikt weiter schwelen zu lassen. Der Beziehungspartner muss und braucht nicht alles nach meinen Vorstellungen machen. Das gilt natürlich auch umgekehrt! Fällt uns aber dabei kein Stein aus der Krone, kann man dem einen oder anderen Wunsch des Beziehungspartners gerne nachkommen. In diesem Fall arbeiten wir an der Beziehung und weiten unsere Toleranz (…würden wir es doch ursprünglich anders machen). Bei Kleinigkeiten geht das noch relativ einfach. Werden aber einschneidende Verhaltensänderungen eingefordert, so gelangen wir schnell an unsere Toleranzgrenze!
Führt gewisses Verhalten immer wieder zu Störungen, bleibt nichts anderes übrig, als abzuwägen wieviel einem (diese) „Beziehung“ wirklich wert ist! Mit etwas Abstand können wir eventuell doch sehr viel Positives aus dieser Beziehung gewinnen und wir nehmen dies zum Anlass, unsere Toleranz auszudehnen. Gegebenenfalls entwickeln wir neue Verhaltensweisen, welche nicht nur einen selbst stärken, sondern auch einen Gewinn für jede Partnerschaft mit sich bringen. Veränderung muss nicht immer Nachgeben bedeuten. Manchmal sieht man erst nach der Veränderung, was uns durch diese an Bereicherung geschenkt wurde. Manche Störfaktoren bedingen auch beidseitige Verhaltensänderungen. Hier kann es sein, dass Veränderungen einem Partner leichter fallen als dem anderen. Ein Partner braucht ggf. eben mehr Zeit dafür. Gegenseitiges Verständnis ist förderlich, um solche Veränderungsprozesse gemeinsam zu schaffen. Wir alle haben unser individuelles Tempo. Zeit ist ein wesentlicher Faktor, welcher unsere Toleranzgrenze prüft. Geduld kann kostbar sein, vor allem, wenn Veränderung letztendlich gelingt. Ebenso kann Geduld zur großen Enttäuschung werden, wenn z.B. nur einseitig an Verhaltensänderungen gearbeitet wurde. Was bleibt, ist sich der eigenen Toleranzfähigkeit bewusst zu werden.

Helmut Wurdinger
zum Oktoberneumond 2026

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